Autonomes Feministisches Referat der Universität Bremen

Immer wieder sind junge Frauen* zu hören, die meinen, dass sie den Feminismus nicht mehr bräuchten. Auf Nachfrage wird dann aber doch meist eingestanden, dass sie sexuelle Übergriffe erfahren, sich Abends fürchten, wenn sie alleine nach Hause gehen, und es ihnen an weiblichen* Vorbildern in Medien, Politik sowie Kultur fehlt. Es gibt sie also noch, die Gründe warum wir Feminismus brauchen – und auch an der Universität Bremen sind diese zu finden.
Die Statistiken zeichnen auch im 21 Jahrhundert kein rosiges Bild für die Mehrzahl an Frauen der Welt. Weltweit erleiden Frauen mehr Verletzungen durch häusliche Gewalt, als durch Krebs und Unfälle im öffentlichen Verkehr zusammen. In Deutschland haben 35% aller über 15 Jährigen Frauen sexualisierte Gewalt erfahren. Das ist mehr als jede dritte Frau. Jede siebte Frau hat eine Vergewaltigung oder versuchte Vergewaltigung erlebt. Im globalen Menschenhandel werden laut UNODC bis zu 80% der Menschen in die Zwangsprostitution gehandelt, nur etwa jedes 100. Mädchen wird daraus befreit. Zur Kontrolle der weiblichen* Sexualität wird in vielen Teilen der Welt Genitalverstümmelung durchgeführt. Davon sind aktuellen Angaben von Unicef zufolge weltweit mehr als 140 Millionen Frauen betroffen, die Dunkelziffer wird jedoch von Terre de Femme auf das doppelte geschätzt, da für weite Teile keine Statistiken und Schätzungen bestehen. Zudem finden heute im afrikanischen Raum mehr Hexenverfolgungen statt als im Europa der frühen Neuzeit. Heute wie damals ist die Mehrzahl der Opfer weiblich.
Auch für Personen, die sich jenseits der Zweigeschlechtlichkeit bewegen, sind Ausschlüsse, Diskriminierungen sowie gewalttätige Übergriffen an der Tagesordnung. So zeigt ein Bericht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte von 2014, dass 37 %  der befragten Trans*personen angeben, Diskriminierung bei der Suche nach einem Job zu erfahren, und etwa 50 % in dem Jahr vor der Befragung gewalttätigen Übergriffen und/oder Bedrohungen ausgesetzt waren.
Ein Thema an der Universität ist beispielsweise sexuelle Belästigung, sei es zwischen Lehrkörpern und Studierenden, zwischen Studierenden, Angestellten, oder die Zelte in denen geflüchtete Frauen* untergebracht sind. Sexuelle Übergriffe und Belästigung sind in allen Bereichen der Gesellschaft zu finden. Diese machen vor den Toren der Universität nicht halt. Auch zum Lehrangebot ist ein Wort zu sagen: Es gab eine kurze Phase in der Gender Studies als Studienfach an der Universität Bremen angeboten wurde, aber diese ging schnell vorbei, mittlerweile werden auch immer weniger Lehrveranstaltungen mit Fokus auf Genderfragen angeboten. Posten werden oft nicht mehr nachbesetzt. Die Ressourcen sind dabei oft knapp und die Arbeit sehr mühsam. Zudem stehen wir vor dem Problem, dass mit der Einführung des Bachelor-Systems die individuell zu leistenden Anforderungen an das Studium gestiegen sind, und die Studierenden immer mehr an ihrem Profil arbeiten müssen, wo es doch angesichts des Erstarkens der Rechten in Europa gerade wichtig ist sich in der Politik zu engagieren.
In Europa erstarkt die Rechte. Mit Viktor Mihály Orbán in Ungarn, Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei, der rasante Aufstieg der AfD in Deutschland, und mit Norbert Hofer, übernimmt potenziell ein Bundespräsident das Amt in Österreich, der per gerichtsurteil als Nazi bezeichnet werden darf. Um nur einige Beispiele zu nennen. Dort wo die Rechten noch nicht regieren, werden sie immer stärker.
So wenig man weiß wie sich die Politik in Europa und der Welt in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird, so sehr ist aber klar: ein Erstarken der Rechten bedeutet nichts Gutes für feministische Strukturen und Interessenpolitik von und für Frauen*. Das Weltbild rechtspopulistischer, rechtsextremer und neonazistischer Politik beinhaltet keinen Platz für gebildete, selbstbewusste, autonome und unabhängige Frauen*, die die Ziele ihres Lebens selbst definieren. und oder Personen, die sich jenseits heteronormativer Vorstellungen von Geschlechtsidentitäten verorten. In der Emanzipation der Frau* sehen Rechte ein Problem, und in der Kritik Heteronormativen Zwangs sogar eine Krankheit. Die Universität ist ein Ort zu dem Frauen sich vor weniger als 100 Jahren in Europa Zugang erkämpft haben um genau diese Möglichkeit der Emanzipation, der Bildung, der Autonomie vom Ehemann zu verwirklichen. Diese Perspektive geht heute oft verloren und muss erhalten, muss unter Feminist_Innen und Queerfeminist_Innen tradiert werden. Die Universität kann und soll ein Ort der Auseinandersetzung sein, auch und insbesondere bzgl. der politischen Entwicklungen in Europa, die uns als kritische Student_Innen betreffen.
Es ist deshalb eine Aufgabe des Autonomen Ffeministischen Referates die Debatte über gesellschaftliche Entwicklung in die Universität zu holen. Wenn die Universität die interessanten Lehrangebote nicht bietet, dann müssen wir uns selbst das Veranstaltungsangebot aufpeppen. Deshalb veranstalten wir vom Autonomen Feministischen Referat einen Lesekreis pro Semester zu Fragen Feministischer Theorie und Gesellschaftsanalyse. Zudem organisieren wir kritische Veranstaltungen in verschiedenen Fachbereichen, um das kritisch-feministische Potenzial der Wissenschaft auch an der Universität Bremen zu beleuchten. Wir verwalten eine feministische Bibliothek, und ein Archiv der Feministischen Bewegung in Bremen. Immer mal wieder gibt es auch eine Veranstaltung in der Stadt zu verschiedensten Feministischen Themen und Anlässen.

Unsere Inhaltlichen Bildungsziele sind:
– Über den Antifeminismus der Rechten in Gesellschaft und Hochschule aufklären
– Debatten Anregen, warum feministische Vertretungsarbeit an den Universitäten wichtig ist
– feministische Themen in den Fachbereichen in der Universität stärken
– Aufklärungsarbeit: Verhütung, Abtreibung, Pränataldiagnostik, Studieren mit Kind, Sexualisierte Gewalt, Selbstverteidigungskurse, Doppelbelastung, Themen Trans- und Intersexueller Belange, und vieles Mehr!

Wenn du Lust hast das Autonome Feministische Referat der Universität Bremen kennenzulernen, dann melde dich gerne unter: femrefbremen@riseup.net